UT Motoren und Fahrzeugbau

1922-1926
Stuttgart-Untertürkheim

Hermann Scheihing aus dem Stuttgarter Vorort Untertürkheim war der Gründer der Motorradmarke „UT“. Nachdem er zuvor beim Automobilhersteller Daimler-Benz in Untertürkheim gearbeitet hatte, führte er ab 1922 seine eigene mechanische Werkstätte, die sich später „UT Motoren- und Fahrzeugbau“ nannte. Zunächst wurden dort mechanische Teile im Auftrag hergestellt, aber auch kleine Taschenfeuerzeuge und Ähnliches.

Hermann Scheihing und seinen Frau Elise, geb. Gassmann, waren beide begeisterte Motorradfahrer. Während sie eine Cockerell fuhr, besaß er eine Trianon. Es dauerte nicht lange, bis Scheihing anfing Motorräder zu entwickeln und zu bauen; ab 1924 standen die ersten Modelle zum Verkauf bereit. Scheihing hatte gute Kontakte zur Motorradszene, was auch alte Fotos von DMV-Treffen zeigen, in dem er Mitglied war. Damals trug man noch stolz eine „Prinz-Heinrich“-Schiffermütze mit entsprechendem Abzeichen.

Als technischer Berater stand ihm sein Freund und Oberingenier bei Daimler, Otto Schilling zur Seite. Das erste UT-Modell war auch geprägt von den Erfahrungen der Cockerell, denn der Zweitaktmotor hatte z.B. einen liegenden Zylinder. Der Motor hatte äußerlich Ähnlichkeit mit dem Bekamo-Motor, war aber eine Scheihing-Entwicklung mit 250 ccm und hatte keine Ladepumpe. Eine Besonderheit war die Kühlplatte aus Aluguss, die mit dem Motorblock verschraubt war, gleichzeitig als Trittbrett diente und zwei Kanäle als Ersatz für die Auspuffrohre hatte. Ab 1926 htte die Maschine bereits eine Ruthardt Schwungrad-Magnet Zündlichtanlage direkt auf der Kurbelwelle.

Das stabile Fahrgestell, der tiefe Schwerpunkt und die sorgfältige Verarbeitung der Maschinen waren eine gute Voraussetzung für die zahlreichen Erfolge der UT-Motorräder bei Bergrennen und Zuverlässigkeitsfahrten in den Jahren 1925 und 1926. Blind, Bubeck, Denneler und Kern waren damals die ersten Fahrer, die erfolgreich für UT fuhren. Bei den Rennmaschinen erstezte man die Trittbretter durch Fußrasten und statt des Graugusszylinders baute man einen großflächig verrippten Aluminiumzylinder ein. Auch eine Rennmaschine mit 250 ccm Viertakt-JAP-Motor hatte die Untertürkheimer Motorradschmiede 1925 schon entwickelt, die z.B. beim Stuttgarter Solitude-Rennen eingesetzt wurde.

Die kleine Werkstatt in Untertürkheim reichte nun nicht mehr aus, um alle Kundenwünsche zu erfüllen. Es wären größere Investitionen erforderlich gewesen, die Scheihing in der damaligen wirtschaftlich schwierigen Zeit nicht aufbringen konnte. Er übergab daher seine Motorradproduktion schweren Herzens 1927 an die Maschinenfabrik Bergmüller & Co. im Stuttgarter Vorort Vaihingen auf den Fildern, die ein zweites Standbein für ihre Fertigung suchte. Dort wurden in den Jahren 1927-28 neben neuen Modellen mit englischen JAP- und Blackburne-Motoren, auch Scheihing-Maschinen mit Zweitaktmotor noch weitergebaut. Auch die Beteiligung an Rennwettbewerben führte Bergmüller & Co intensiv weiter, mit den heute noch bekannten Erfolgen und Fahrern.

Günter Wolf

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